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Composer in Tobacco Quarter

  • Autorenbild: Guenter G. Rodewald
    Guenter G. Rodewald
  • vor 12 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

27. Februar 2026 · »Composer in Residence« ist ein neues Format der Bremer Philharmoniker, das diese aus Anlass des im vergangenen Jahr begangenen 200-jährigen Jubiläums der Bremer Philharmonischen Gesellschaft ins Leben gerufen hatten. Dazu hat man in dieser neuen Kategorie die international hoch angesehene und anerkannte griechische Komponistin, Pianistin, Dirigentin und Professorin an der Hochschule für Musik und Theater München Konstantia Gourzi (Athen, 1963) eingeladen. Die Einladung als »Composer in Residence» der Bremer Philharmoniker umfasst die künstlerische Begleitung einer Spielzeit des Orchesters, die Uraufführung neuer Werke, Kammermusikprojekte sowie die Entwicklung von Education-Aktivitäten für junge Musiker.


Und natürlich Kompositionsaufträge. In dieser Konzertsaison wurde Anfang dieses Monats in der Bremer Glocke Konstantia Gourzis Konzert für Viola und Orchester »Ishaón, The Angel in the Golden Garden«, das die Komponistin für den Bratschisten Nils Mönkemeyer geschrieben hat, das das Bremer Publikum mit Begeisterung aufgenommen hat. Iris Hetscher schrieb im Bremer Weser-Kurier: »Es ist ein Erlebnis, das das Publikum nicht so schnell vergessen wird.«


Another Artist in Residence


Nils Mönkemeyer ist ebenfalls ein Künstler in Residence, den die Bremer Philharmoniker gekürt haben, und das gleich für zwei Spielzeiten, die vergangene wie die aktuelle. Mönkemeyer (*1978) begann sein Musikstudium - noch an der Violine - in unserer Stadt, an der HfK Bremen Musik in der Dechanatstraße. Er bildete, zusammen mit der Komponistin in Residence am Piano und vier Mitgliedern der Bremer Philharmoniker (Annette Behr-König und Camilla Busemann, beide Violine, Stefan Drabek, Viola, und Hannah Werber, Violincello), die Besetzung dieses kammermusikalischen Nachmittags.


Das Programm bestand aus insgesamt sechs Kompositionen von Konstantia Gourzi, die sie selbst alle in einem sympathisch fröhlichen Ton, aber ebenso informativ kommentierte. Das erste Stück bildete A Song for Peace op. 70 für Viola und Violoncello, das nächste ein Klaviersolo - natürlich mit Konstantia Gourzi selbst am Flügel - Wind Whispers op. 70, darauf das Streichquartett nº 2, P-ILION, neun Fragmente einer Ewigkeit op. 33/2.



Darauf folgte Sängerin der Komischen Oper, für Viola Solo, Nach dem gleichnamigen Bild von Paul Klee, op. 23. Das hatte Gourzi 2004 explizit für Nils Mönkemeyer geschrieben. Danach folgte Evening at the Window II, für Viola und Klavier, nach dem gleichnamigen Bild von Marc Chagall, op. 75 b. Für mich das Highlight dieses Nachmittags. Die Virtuosität von Mönkemeyer alternierend mit der Komponistin am Flügel, die aber dessen Tasten nur ganz wenige Male einsetzte, dafür mit ihren Händen und einigen verschiedenen kleinen Schlagzeuginstrumenten auf den Saiten des Resonanzbodens des Pianos spielte, bisweilen hatte man das Gefühl, sie würde am Ende womöglich ganz in den Flügel hineinkriechen... Ein tolles Stück. (Man kann übrigens in viele Gourzi-Kompositionen hineinhören, wenn man die Homepage der Komponistin besucht · Siehe unten in den Weblinks).



Den Abschluss bildete dann noch Anájikon, the Angel in the Blue Garden, Streichquartett Nr. 3, op. 61. Ging ganz dicht im besten Sinne ans Herz; das Auditorium: mucksmäuschenstill. Ein kostbares Idyll. Es erscheint anfangs eintönig. Aber dann kreist mehr und mehr schlichtes, antikisierendes Melodiewerk durch die Stimmen und enthüllt einen Zauber, eine Melancholie, welchen sich die Sinne kaum entziehen können.“ schrieb Neues Deutschland 2015 nach seiner Uraufführung in Kassel. Was soll ich dem hinzusetzen?


Akustisches Wunder


Fasziniert kann man sein, was den Baumeistern und Akustikern in dieser ehemaligen Werkhalle gelungen ist, in dem, was der Saal an sauberer und sensibler Akustik vermag auszustrahlen. Sie ließe jede sprichwörtliche auf den Boden fallende Stecknadel hören, an diesem Nachmittag war es dann glücklicherweise nur einmal ein recht sanft und genau in den Takt eines der Stücke klingelndes Handy in einer der hinteren Reihen der Zuschauertribüne, das meinte, sich Gehör verschaffen zu müssen.


Auch in der Zukunft weitere Composers in Residence?


Wie schon beschrieben, das Konzept der Idee des »Composer in Residence« beinhaltet die Einbindung des/der Eingeladenen in Konzerte der Bremer Philharmoniker, im Dialog mit dessen symphonischem Repertoire. Ebenso Entwicklung von Musikwerkstatt-Projekten, auch zur Förderung junger Menschen. Und überhaupt eine enge Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte mit dem Orchester und seinen Dirigenten. Die Position ist als langfristige künstlerische Kooperation gedacht, um neue klangliche Impulse in das Orchester und die Stadt Bremen zu bringen. 


Ob diese Idee in den kommenden Jahren fortgesetzt und in welchem Rhythmus, steht zurzeit wohl noch nicht fest. Natürlich wäre es überaus zu begrüßen, denn es bedeutet nicht nur ein stimulierendes Element für die Musiker:innen der Bremer Philharmonie und deren direktes administratives, das für die vorbildliche und rege Pressearbeit zuständige Ressort und das ganze künstlerische Umfeld selbst, sondern wird auch dessen Publikum guttun, gerade weil es angetan sein wird, auch wieder jüngeres Publikum in die Konzerte zu locken. Darüber hinaus wird es auch stark nach außen ausstrahlen. Die aktuelle Präsenz und ihre Auftritte von Konstantia Gourzi ließen bereits landesweit und über die Grenzen hinaus von sich reden und im besten Sinne von sich hören lassen! Ein förderungswürdiges Projekt, das sich sicher auch eine wichtige Hilfestellung bieten würde, wenn sich einmal als UNESCO City of Music bewerben würde. Mit der Aufnahme Bremens als UNESCO City of Literature 2025 hat es ja bereits schon eimmal bestens geklappt!


Konstantia Gourzis Klangreise


Schon gegen Richtung des Endes der aktuellen Saison kann man den Kompositionen von Konstantia Gourzi erneut zuhören, dann mit einem Konzert unter dem Motto »Meine Klangreise«, und zwar am Sonntag, den 26. April 2026 um 11 Uhr im Format der »Familienkonzerte«. Ebenfalls wieder in der Halle 1 des 'Tabakquartier' mit dem Jugendsinfonieorchester Bremen und Studierenden der HfK Bremen / Elementare Musikpädagogik; Dirigat: Martin Lentz. (Link).


Auch dieses Format der Musikaufführungen für Kinder ab 6 Jahren ist eines der Konzertformen, die ausgesprochen einfallsreich im 'Tabakquartier' bespielt werden, wie Marko Letonja, Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker schreibt: »


Wir verharren nicht, sondern ziehen 'Neue Bahnen', denn es geht weiter. Die Musik schreibt stetig ihre eigenen Geschichten, für uns, über uns und unsere Zeit. Es ist uns eine große Freude, diese Geschichten – ob bekannt oder neu – für Sie erklingen zu lassen.«


»Böhmi« kommt


Ich freue mich schon sehr auf meinen nächsten Besuch der Halle 1 des 'Tabakquartier', damit übrigens in genau der gleichen Halle, in der ich 1969 nach meinem Abitur mehrere Wochen gearbeitet hatte, damals wurden hier die Tabakfässer angeliefert, die im Bremer Überseehafen von den aus aller Welt anlandenden Frachtern gelöscht wurden.


Schon in der kommenden Woche, am 3. März wird Jan Böhmermann (1983 in Bremen-Gröpelingen geboren und in Vegesack aufgewachsen, Stadtteil, in dem auch lebe) die fast schon heilig zu nennende Halle 1 besuchen. Er ist für die Reihe »My Playlist« eingeladen, im Gespräch mit dem Bremer Musikjournalisten Axel Brüggemann, in der bereits Wigald Boning, Til Mette, und Thomas Schaaf zu Besuch waren, am 13. Mai wird noch Giovanni di Lorenzo erwartet. Man kann doch wohl sicher davon ausgehen, dass die Reihe in der Saison 2026/27 ihre Fortsetzung erfahren wird, oder?

Weblinks:

  • Homepage Konstantia Gourzo: Link

  • Homepage Nils Mönkemeyer: Link

  • Homepage Bremer Philharmoniker: Link

  • Interview / Konstantia Gourzo: Link

  • Porträt / Nils Mönkemeyer / rbb: Link

Wenn Du willst, kannst Du mir gerne Deinen Kommentar schicken, und zwar an diese Mail-Adresse: blog.guenny@mercadodelibros.info.

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