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Das Leben, das Werk und das Martyrium von Federico García Lorca

  • Autorenbild: Guenter G. Rodewald
    Guenter G. Rodewald
  • 6. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

6. Mai 2026 · Heute bringen Ian Gibson und Quique Palomo anlässlich des 90. Jahrestags des tragischen Todes, der Ermordung von Federico García Lorca bei Planeta Cómic die Graphic Novel »Leben, Werk und Martyrium von Federico García Lorca« (Vida, obra y martirio de Federico García Lorca) neu heraus. In dieser Adaption vermitteln beide etwas vom Geheimnis und der Magie dieses einzigartigen Menschen. Musiker, Dichter, Dramatiker, Minnesänger… Die künstlerischen Facetten des Autors aus Granada sind vielfältig und faszinieren und inspirieren weiterhin Dutzende von Generationen.


Anhand der Bilder übersetzen Palomo Quique und Ian Gibson die spannende Biografie des genialen Lorca in die Sprache des Comics. Von seiner Kindheit in der Vega de Granada über die Stadt Granada selbst bis hin zu Madrid, New York, der Costa Brava, Kuba oder Argentinien. Jeder Ort, jede Berühmtheit, mit der er zu tun hatte (Dalí, Margarita Xirgú, Luis Buñuel), und jede Erfahrung prägten sein Vermächtnis und seine ohnehin schon zeitlose Persönlichkeit mit Nuancen. In einer kulturell reichen, aber politisch turbulenten Zeit schmiedete Lorca sein ewiges Schicksal.


90 Jahre sind vergangen


Der Anlass für diese Veröffentlichung ist laut der beiden Autoren, dass Federico García Lorca nicht nur ein großer Dichter und Dramatiker ist, sondern auch nach wie vor ein perfektes Symbol für die Bewahrung der demokratischen Erinnerung in einer Zeit, in der eine internationale reaktionäre Strömung in unserem Alltag in alarmierender Weise an Boden gewinnt.


Es war die Nacht des 18. auf den 19. August des Jahres 1936, als die Faschisten Lorca aus dem Sommerhaus seiner Familie am Rande von Granada gute 10 Kilometer weit auf einem Lastwagen nach Víznar verschleppt und ihn bei Morgengrauen auf der Landstraße nach Alfacar zusammen mit drei anderen Republikanern vermutlich vom Großgrundbesitzer und Franquisten Juan Luis Trescastro erschossen wurde. Er wurde gleich am Straßenrand begraben. Auf dem Totenschein wurde »Tod infolge kriegsbedingter Verletzungen» vermerkt. Zu dieser Tat hatte General Gonzalo Queipo de Llano, der Kommandant der Putschisten in Sevilla, dem falangistischen Zivilgouverneur José Valdés Guzmán telefonisch seinen Segen gegeben. Der Mord an Federico García Lorca war bis 1975 in Spanien ein gesellschaftliches Tabu.



Heute erinnert an die Ermordung Lorcas und vieler weiterer Opfer der Park Barranco de Víznar. Seine sterblichen Überreste wurden trotz vieler Versuche - immer auch wieder durch Ian Gibsons Initiativen - nie gefunden, sowohl von Lorcas Familie selbst, aber durch die staatlichen Autoritäten verhindert oder erschwert. Auf dem 2002 errichteten Gedenkstein steht »LORCA ERAN TODOS · 18-08-2002«. (Link)


Lorca als Homosexueller selbst betroffen


In seinem Werk widmete Lorca sich den Randgruppen und den Gefühlen der Schwachen, stellte die Unterdrückung durch die Mächtigen in Frage und widersetzte sich der Vorherrschaft der Tradition. Letztendlich wollte Lorca durch seinen künstlerischen Ausdruck den Geist seiner Gesellschaft revolutionieren. Lorca selbst war homosexuell, hatte sein Schwulsein nie verschwiegen oder verheimlicht.


Darüber hinaus unterstreichen Gibson und Palomo, dass die Auseinandersetzung mit Lorcas Biografie, das erneute Studium jener Periode der jüngeren Geschichte Spaniens, aber ebenso die über dessen Grenzen hinweg, anhand der Ereignisse seines Lebens, helfen könne, an das Engagement und den Kampf derer zu erinnern, die den Wunsch hatten, die Lebensbedingungen einer traditionell ungerechten Gesellschaft zu verändern. Und damit einhergehend: nicht zu vergessen.



Man hat mich nicht gefunden...


Am 21. Mai wird bei Aguilar in Madrid von Ian Gibson eine 352-seitige minutiöse Chronik mit dem Titel »No me encontraron. La fosa de Lorca: la crónica de un olvido« (Man hat mich nicht gefunden. Lorcas Grab: Chronik eines Vergessens) erscheinen, die Fragen dahingehend stellt, warum das Grab des international wohl bekanntesten spanischen Dichters und Dramatikers des XX. Jahrhunderts noch immer nicht gefunden wurde.


Wie ist es möglich, fragt Gibson, dass Lorca – wie er in seinen unheimlich vorausschauenden Versen der Fábula y rueda de los tres amigos in Lorcas 1930 erschienenem Lyrikband Poeta en Nueva York  – fast ein Jahrhundert später noch immer ruft: »No me encontraron« (»Man hat mich nicht gefunden«)?



Das Verbrechen geschah in Granada


In Spanien liegen noch immer etwa 115.000 Opfer des langjährigen und brutalen diktatorischen Regimes von Francisco Franco in Straßengräben und Massengräbern. Der wohl beliebteste und am meisten betrauerte dieser Verschwundenen ist Federico García Lorca, der im August 1936 im Alter von 38 Jahren vor den Toren Granadas »spazierengeführt« wurde. Es scheint unvorstellbar, dass wir fast ein Jahrhundert später immer noch nicht wissen, wo seine sterblichen Überreste ruhen.


Dieses Buch ist eine Chronik dieses Vergessens. Im Jahr 2010 veröffentlichte Ian Gibson das Tagebuch, das er während der ersten und erfolglosen offiziellen Suche nach dem Dichter im Jahr zuvor in der Gemeinde Alfacar in der Provinz Granada, nahezu besessen, geführt hatte. Der erste Teil der nunmehr ergänzten Ausgabe gibt diesen erschütternden Text vollständig wieder. Der zweite, bisher unveröffentlichte Teil berichtet von den Ereignissen rund um die Suche in den folgenden fünfzehn Jahren.


Gibson manifestiert, dass es als beschämend zu betrachten ist, dass Granada – das García Lorca tiefgründiger als jeder andere Schriftsteller jemals beschrieben hat – seinen endgültigen Verbleib nach wie vor nicht preisgibt. Die Bitte, die Antonio Machado (*1875 Sevilla · 1939 Colliure) ein weiterer genialer Andalusier, wenige Tage nach dem Attentat in seiner Elegie El crimen fue en Granada · A Federico García Lorca formulierte, wird weiterhin ignoriert:


Und wie wichtig Gibson dieser Text als Teil seines Gesamtwerks von über 30 Werken ist, macht die Widmung, die er dieser Ausgabe voranstellt, deutlich, sie klingt gewissermaßen wie ein Legat:


Weblinks:

  • Video | Gibson auf der Suche nach Lorca | 2022: Link

  • Komplettes Hörbuch von 'Poeta de Nueva York': Link

  • Leseprobe | »Leben, Werk und Martyrium von Federico García Lorca«: Link

Wenn Du willst, kannst Du mir gerne Deinen Kommentar schicken, und zwar an diese Mail-Adresse: blog.guenny@mercadodelibros.info

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