Einem was hinter die Löffel geben
- Guenter G. Rodewald

- 4. Mai
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Aktualisiert: 5. Mai

4. Mai 2026 · Wenn jemand jemandem was hinter die Löffel gibt, kann das, zumindest wenn ein solcher Akt mit hoher Wucht vollzogen wird, dazu führen, dass eine solche Person in Folge unter Umständen mit einer Strafanzeige rechnen und sich vor einem Gericht rechtfertigen müsste. Dann wird ein solcher Delinquent, wenn er denn klug ist, sich juristischen Beistand suchen. Einen Strafverteidiger eben.
Ich wüsste sofort, wen ich da rufen müsste, denn ich kenne da einen ausgesprochen kämpferischen Anwalt, mit dem mich eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet, die ihren Anfang genommen hatte, als wir uns in politischen Zusammenhängen der späteren 70er Jahren kennenlernten und die sich mit der Auseinandersetzung um Atomkraftwerke organisiert hatten. Es ist mein guter Freund Horst Wesemann.

Allerdings ist er seit guten 10 Jahren kein Anwalt mehr, also halte ich mich zurück, mit irgendwelchen Gesetzen in Konflikt zu kommen, also auch keinen Rechtsbeistand benötigen zu müssen. Aber Horst wäre nicht Horst, wenn er nicht auch als Advokat im Ruhestand wüsste, was er mit seiner Zeit anzufangen könnte. Seit vielen Jahren, auch schon noch in seinen beruflich aktiven Jahren, hatte er sich ein Hobby gesucht und es gefunden, das sich längst zu einer künstlerischen Tätigkeit und Leidenschaft entwickelt hat. Er schnitzt Löffel!
Vom Rechtsanwalt zum Löffelanwalt
'Löffelanwalt' ist eine eher unbekannte Berufsbezeichnung, aber Wesemann hat seine Homepage genau so benannt, in der er seine Idee, seine Geschichte, seine Aktivitäten, seine Texte und seine Ausstellungen vorstellt. Eine neue Ausstellung wird nun am kommenden Samstag, dem 9. Mai, im Vegesacker Geschichtenhaus am Vegesacker Museumshaven mit dem Titel »ZWÖLF« eröffnet.
»ZWÖLF« bezieht sich auf zwölf verschiedene Löffel, die im Atelier von Wesemann entstanden sind und die auf grossflächigen Bildtafeln ausgestellt werden, die wiederum mit Texten des Bremer Künstlers Frank Warneke (* 1962 in Bremen) unterlegt sind.

Die beiden Künstler beschreiben ihre Ausstellung so:
»Lesung und Geschichten zu den 12 Tafeln und was es nicht auf die Tafeln geschafft hat. Gereimtes und nicht gereimtes! Und jede Menge Geschichten rund um den Löffel!
Unter dem Titel „ZWÖLF“ stellen wir 12 Tafeln über den Lauf des Lebens aus – erzählt durch ein scheinbar unscheinbares Objekt: den Löffel. Der Löffel als alltäglicher Gegenstand wird in dieser Arbeit zum Träger individueller Geschichten. Jeder Löffel steht für eine Lebensphase, eine soziale Stellung, einen Übergang. Vom Babylöffel bis zum Löffel der Greise, vom goldenen Löffel bis zum verrosteten Löffel als Symbol des Endes. Es ist eine Einladung zum Innehalten. Die Löffel stammen überwiegend aus der Werkstatt von Horst Wesemann und Frank Warneke gibt dazu mit seinen Texten die lyrische Würze.«
Wenn am kommenden Samstag um 11:30 die Vernissage im Vegesacker Geschichtenhaus steigt, werden die beiden Künstler auch einige Texte vorlesen und werden sich freuen, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt ist übrigens frei! Eine große Auswahl in allen Größen und in verschiedensten Hölzern von Löffeln, die in Wesemanns Werkstatt entstanden sind, können erworben werden.

Vegesack- kein unbekannter Ort für den Löffelschnitzer
Nicht ganz unbekanntes Terrain betritt Horst Wesemann, wenn er jetzt nach Vegesack kommt; ein paar Jahre hat er oben in Vegesacks Weserstraße gelebt, und zum 400. Geburtstag des Museumshavens im Jahre 2022 war er mit seinem mobilen Atelier angereist. Einer der Besucher am Stand des Löffelschnitzers war dabei kein Geringerer als Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte.
Bei der gleichen Gelegenheit spielte auch Wesemanns 2,3 Meter großer Heringslöffel (damit 30 cm länger als der Bürgermeister) bei der Eröffnung der Festtage eine prominente Rolle, auf dem Podium der Bühne des Volker-Ernsting-Platzes, wie dieser Platz heute heißt, in Erinnerung an den Vegesacker Cartoonisten und Karikaturisten.
Geboren und aufgewachsen ist Horst Wesemann (*1949) übrigens auch nicht weit von dem jetzigen Ausstellungsort, nämlich in Bookholzberg, wo sein Vater eine Metzgerei betrieb, also nur ein paar Möwenschläge über die Weser ins Oldenburgische. Aber seine Option war nicht, ins elterliche Geschäft einzusteigen. Er studierte in der neu gegründete Uni Bremen Jura, um seinen durchaus Traumberuf Strafverteidiger zu werden. Dazu kann man sich man das Gespräch anhören, das Wesemann im März 2015 mit Christine Gorny auf Bremen Zwei geführt hat (siehe unten in den Links).

Weblinks:
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