David Lama (1990-2019)
- Guenter G. Rodewald

- 5. Juli 2019
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr.

5. Juli 2019 - Selten hat mich ein Todesfall so betroffen gemacht wie der kürzliche Tod des Freeclimber und Alpinisten David Lama, der zusammen mit den Bergsteigern Hansjörg Auer und Jess Roskelly am Howse Peak in Kanada von einer Schneelawine verschüttet wurde.
Ich erfuhr von diesem jungen Mann, Sohn einer österreichischen Mutter und eines nepalesischen Vaters, als mir 2013 sein von ihm verfasstes Buch »FREE - Der CERRO TORRE, das Unmögliche und ich« (Knaus, München 2013) von der legendären Münchener Literaturagentin Lianne Kolf - eine meiner guten Freundinnen und Berufskolleginnen - anvertraut wurde, um dafür einen Verlag in Spanien zu finden, was mir auch gelang (Ediciones Tutor, S.A., Madrid 2015), auch nach Italien konnte ich es vermitteln (Casa Editrice Corbaccio, Milano 2015).
Mozart der Berge
Das Buch erzählt die Geschichte von einem kleinen Jungen, der bereits mit fünf Jahren alles, was steil hinauf und noch höher in seiner Umgebung hochkletterte, was sich vor ihm aufragte. Schon in ganz jungem Alter holte er sich bereits einen Titel nach dem anderen und gilt bald als Wunderknabe, den Mozart der Berge nannte ihn die Presse. Und dessen langer Traum wurde es, den Cerro Torre in Patagonien zu besteigen, der als der am schwierigsten zu besteigende Berg der Welt gilt. Nach mehreren Anläufen gelingt David 2013 diese spektakuläre Expedition und verschafft ihm damit Weltruhm unter den Alpinisten.
Umso fataler und sinnloser erscheint jetzt sein Tod, denn David Lama galt immer - unter seinen Kollegen und Freunden im Berg, auch ganz besonders seinen Eltern - als kaum zu übertreffen in seiner Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, wenn er »seine« Berge bestieg und der nie das verantwortungslose Risiko suchte.
Stiller Abschied

Seine Eltern rufen ihrem Sohn nach: »David lebte für die Berge und seine Leidenschaft für das Klettern und Bergsteigen hat uns als Familie geprägt und begleitet. Er folgte stets seinem Weg und lebte seinen Traum. Das nun Geschehene werden wir als Teil davon akzeptieren.«
Eine solche Verbeugung hätte David sicher gefallen, aber viel, viel lieber wäre er noch ganz lange auf sehr viele andere Berge geklettert, und alle, die nun unten stehen und dort umsonst auf ihn warten, hätten ihn doch auch noch ganz, ganz lange gesund in die Arme schließen wollen, wenn er von seinen geliebten Bergen zurückkehrte.
Das ist jetzt niemandem mehr möglich, darum ist die Trauer um diesen ungewöhnlichen, mit seiner Sympathie und seiner Offenherzigkeit alle in seinen Bann ziehenden jungen Mann sehr groß.
Ich bin sehr glücklich, dass ich David wenigstens bei einem langen Telefonat im Zusammenhang mit der Publikation seines Buches in Spanien persönlich kennenlernen durfte. Wir verabschiedeten uns voneinander mit einem »möglichst auf bald«, und mit einem »hasta luego«. Wir hätten uns - ich bin sehr sicher - gut verstanden, uns gemocht. Ich habe seine unvergessliche Stimme noch im Ohr...
Ciao, adiós, lebe wohl, David!
Seine Asche wurde nach Sherpa-Kultur in Kathmandu (Nepal) beigesetzt.

P.S.: Das Management von David Lama, stellvertretend für Davids Familie und Freunde, informiert: "Als Zeichen des Dankes für die große Anteilnahme lädt die Familie Lama am 19.Juli 2019 zur öffentlichen Gedenkfeier für David: http://www.david-lama.com/site/"

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Posthum erschienen:

DAVID LAMA · Sein Leben für die Berge
Von ihm selbst erzählt
480 Seiten
Penguin
München 2020
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