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Haben Sie schon...

  • Autorenbild: Guenter G. Rodewald
    Guenter G. Rodewald
  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 18 Stunden

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25. XI. 2025 · Haben Sie schon ein Geschenk zum kommenden Weihnachten? Oder auch zu einem Geburtstag einer geliebten, geschätzten Person in Ihrer Nähe? Oder wollen Sie einfach sich selbst so etwas richtig Knuddeliges, Skurriles, Liebenswertes gönnen? Da hätte ich einen Tipp, wenn es denn ein Buch, ein Büchlein sein soll. Das dazu zu einem wohlfeilen Preis zu erwerben ist, zu haben in jeder guten Buchhandlung. Die Sie sowieso schon immer haben, denn Sie gehören doch wohl nicht zu jenen, die Ihre Bücher im Internet kaufen, oder!?


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Mr Pye · Aus dem Alltag eines Sofahelden heißt das Buch, geschrieben hat es Johann-Günther König und reich bebildert hat es Hajo König mit seinen unverwechselbaren Zeichnungen. Publiziert und liebevoll in grün-weiß ediert hat es die Bremer Edition Temmen. Erzählt werden zwei parallele Liebesgeschichten des Ich-Erzählers. einmal die zu Lisa, die wohl erst kürzlich begonnen haben mag und die zweite, eben die zu Mr Pye, dem Plüschbär, in den er sich ein Jahr zuvor auf den ersten Blick verguckt hat, als er ihn in der Auslage eines Antiquitätenladen entdeckte, erwarb und bei sich zu Hause aufnahm, wo er einen Platz auf dem Plüschsessel fand, so wie wir ihn auf dem Cover des Büchleins kennenlernen.


Mr Pye erweist sich als ein ausgesprochen außergewöhnlicher Teddybär – ein schweigsamer, stoischer, manchmal geheimnisvoller Begleiter, der mit großer Gelassenheit das Leben seines Besitzers und seiner Liebe Lisa kommentarlos miterlebt.


So glänzt das Buch besteht aus vielen kurzen, immer jeweils nur eine Druckseite füllende humorvoll geschriebenen Episoden aus dem gemeinsamen Alltag, jede Szene ist eine kleine Miniatur. Mal liebevoll, mal satirisch, mal absurd – aber immer mit warmem Unterton.


Das Paar lebt mit dem Teddy, als wäre er ein vollwertiger Mitbewohner. Mr Pye wird zum stillen Zuhörer, moralischen Kompass, Trostspender, Reiseziel, Beziehungsschiedsrichter und gelegentlich auch zu einem unfreiwilligen Probanden komischer Experimente.


Gemeinsame Alltagsabenteuer gehören dazu, sei es vom Wellnesshotel über Bungee-Jumping, Nordpol-Gefrierschrank-Reisen, Arztbesuchen bis zum Treffen mit der Queen. Obendrein projizieren die zwei Nichtbären der Geschichten ihre Gefühle, Sorgen und ihre diversen Alltagsprobleme auf den geduldigen Mr Pye – der stoisch zu allem schweigt, bisweilen höchstens mal mit einem knurrenden Kommentar per seiner implantierten Brumm-Dose reagiert.


Aber auch Schrecken bleiben nicht aus, beispielsweise bei Mr Pyes plötzlichem Verschwinden – ein Moment echter Panik und Verlustangst. Ebenso wenig werden emotionale Momente ausgelassen, zu nahezu philosophischen Zwischentönen hört man ihn brummen: was bedeutet Liebe? Was bedeutet Nähe? Was machen Kuscheltiere mit uns – und wir mit ihnen?


Resümierend ist Mr Pye viel mehr als ein Kuscheltier – er wird zur Projektionsfläche, zum Spiegel menschlicher Schwächen und Stärken. Das Buch zeigt, wie viel Emotionalität, Trost und Fantasie Menschen in ein scheinbar lebloses Objekt legen können.


Alles ist humorvoll, bisweilen slapstickartig, und warmherzig geschrieben, reich an Wortspielen, Pointen und liebevoller Ironie.


Jeder wird sich in Mr Pye verlieben, genauso wie es Lisa und unserem Erzähler ergangen ist. Wozu aber ebenso die mehr als dreißig zweifarbigen Teddy-Avatars von Hajo König in erheblichem Masse beitragen, die ohne Zweifel Merchandising-Qualitäten haben.


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Und was auch nicht fehlt, sind am Ende des Bändchens auf stolzen 11 Seiten zusammengetragene Informationen zur Geschichte des Teddybären, Anmerkungen, Listen von Teddy-Museen und sogar Kliniken, und umfangreiches Generelles über die Spezies der Teddybären. »Teddypedia« als Titel geben die Autoren diesem Annex.


Mr Pye ist viel mehr als ein Kuscheltier – er wird zur Projektionsfläche, zum Spiegel menschlicher Schwächen und Stärken. Das Buch zeigt, wie viel Emotionalität, Trost und Fantasie Menschen in ein scheinbar lebloses Objekt legen können.


Klassisch ausgebildete Buchhändler:innen klassieren solche Publikationen gerne als »Nachttischbücher«, also solche, in denen man immer gerne noch 3, 4, 5 Seiten lese, bevor man es sich, den Teddy im Arm, oder gerne auch den Geliebten oder die Geliebte, im warmen Bett zum Schlafe gemütlich macht. Solche Bücher liegen dann immer gleich neben der Ladenkasse, zum schnellen Obendrein-Kauf, bevor man die Buchhandlung verlässt...


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Meine Teddys


Ganz bescheiden steuere füge ich am Ende dieser Rezension zwei Bärenschicksale bei, mich dabei zweier Fotobilder bedienend. Das eine zeigt mich im Alter von sieben oder acht Jahren in einem Krankenbett mit einem Mr Pye, den ich von meinen Großeltern geschenkt bekommen hatte, bekleidet mit einem Anzug und einem Hut, alles von meiner Oma Bertha selbst genäht. Ich mochte ihn schon, hatte ihm aber nie einen eigenen Namen gegeben, denn mein wirklicher Lieblings-Teddy war, einer den mir die gleichen Großeltern schon vorher geschenkt worden war, dem hatte ich den natürlichsten Namen für ein solches Geschöpf gegeben, auch wenn es einfallslos erscheint, ich nannte ihn einfach »Teddy«. Geschrieben hätte ich diesen Namen wohl mit meinen noch reduzierten Kenntnissen von Fremdsprachen und noch lückenhaften orthografischen Kenntnissen - eher »Täddie«.


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Er war mein engster Vertrauter, ihm habe ich alles, wirklich alles erzählt und wenn man ihn wiegte, brummte er. Unter seinem linken Fuß stand gestickt »Ich komme von Schöpflin Haagen«, dem damals ersten und zunächst größten Großversandhaus Deutschlands in Lörrach, bis dieses 1964 von Quelle verschluckt wurde.


Teddy lebte in meiner Nähe, bis 1980 in meiner Hausgemeinschaft Felix geboren wurde und ich meinen Bettgenossen aus Plüsch an ihn weitergab. Auch dort hat er noch lange Zeit bis in Felix‘ Erwachsenenalter gelebt, irgendwann ging er verloren. Er wurde Opfer eines Einbruchs und einer Entführung (* siehe unten in den Reaktionen). Man wünscht sich, dass er seinen Entführern entwischen und sich auf die eigenen Tatzen hat machen können, um sich vielleicht sogar Winnie-the-Pooh im Hundred Acre Wood anzuschließen. Auch Mr Pye soll sich dort hin und wieder einfinden. Eine neue Idee für die Königs? Denn das nächste Weihnachten kommt bestimmt: »The hair-raising Adventures of Mr Pye, Winnie-the-Pooh and Teddy in the Hundred Acre Wood«


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Weblinks:

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  • Homepage · Johann-Günther König: Link

  • Homepage · Hajo König: Link

  • Homepage · Edition Temmen: Link

Reaktionen:

  • »Dreirädrig bewegliche prächtige Kerle, so wie Du einer bist, sind für Mr Pye einfach Teddyaner vom Feinsten.« · Dr. J-H K., Bremen - Publizist

  • »Unser Mr Pye ist leider in unserem alten Atelier bei der Silberschmiede, bei einem Einbruch weggekommen, zusammen mit mit einer Tick-Trick-und-Track-Figur, wahrscheinlich witterte da jemand das große Geschäft aufgrund des hohen Alters des Entwendeten. Naja, hoffentlich sind sie gut aufgehoben, vielleicht versteckt bei irgendeinem Trödel- oder Antiquitätenladen.« · Felix Luczak, Bremen - Maler, Objektkünstler, Composer

Wenn Du willst, kannst Du mir gerne Deinen Kommentar schicken, und zwar an diese Mail-Adresse: blog.guenny@mercadodelibros.info

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