Musikalische Trauerarbeit
- Guenter G. Rodewald

- vor 5 Tagen
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24. November 2025 · Ein erneutes Mal schenkte uns die musikalische »Abteilung« der St. Martini Gemeinde in Bremen-Lesum einen bewegenden Konzertnachmittag. Zum Totensonntag hatte der seit seinem Amtsantritt im Sommer vergangenen Jahres Oktober hingebungs- und schwungvoll amtierende Kantor Matthew Glandorf etwas ganz Besonderes für diesen Tag ausgesucht, nämlich die Totenmesse »The Sacred Veil« (»Der Heilige Schleier«) des US-amerikanischen Komponisten Eric Whitcare (1970, Reno, Nevada), die damit meines Wissens ihre Erstaufführung in Bremen erlebte. Statt der Kategorisierung »Totensonntag« zog Glandorf den Begriff »Ewigkeitssonntag« vor, wie er mit seinen einleitenden Worten unterstrich.
»The Sacred Veil« ist ein Werk in zwölf Sätzen für Chor, Violincello und Piano. Es bildet eine enge und intime Zusammenarbeit zwischen Eric Whitacre und mit diesem befreundeten Autor und Lyriker Charles Anthony Silvestri (*1965, Las Vegas). Silvestris Frau Julie Lawrence Silvestri starb 2005 im Alter von 36 Jahren an Eierstockkrebs und hinterließ zwei kleine Kinder. Mit den Texten von Silvestri, Whitacre und Julie selbst erzählt die fesselnde Partitur eine Geschichte von Werbung, Liebe, Verlust und der Suche nach Trost.

Obwohl das Stück von dieser außergewöhnlichen und bewegenden Freundschaft inspiriert ist, wird Julie namentlich nicht erwähnt, aber wir erleben eine sehr erschütternde Reise, die von allen Phasen einer Trauer zu erzählen vermag, dem Schock und der Leere des Verlustes, die Zweifel, ob man der geliebten Person bei ihrem Sterben auch alles Notwendige hat zukommen lassen, aber auch die entspannenden Momente, Überwindung von Situationen von Verzweiflung fast bis hin zum Frieden mit dem verlorenen geliebten Person.
Perfektes Ensemble
Der Chor - das wie immer stimmvolle und -gewaltige Vokalemsemble St. Martini Lesum - und die beiden auffällig aufspielenden Solisten Elena Tomarchio (Violoncello) Suwon Kim (Piano) - wie aber auch die im besten Sinne ins Auge stechende enthusiastische Leitung von Matthew Glandorf bereitet dem spürbar ergriffenen Publikum (das man sich nur noch zahlreicher gewünscht hätte) einen bewegenden musikalischen Nachmittag. Dafür bedankte sich dieses mit einem kräftigen Applaus. Im Gegenzug wiederum spendierte das Ensemble dafür eine Belohnung, indem es den letzten, zwölften Teil der Messe als Giveaway wiederholte.

Es ist mehr als nur Recht und in jeder Beziehung gerecht, dass das Programmheft des Nachmittags sämtliche Mitglieder des Chores namentlich erwähnt. Ich möchte es dem gleichtun. Dieses sind die zwölf Stimmen, die von dem zartesten ppp bis zum gewaltigsten fff alles boten:
Sopran: Theresa Szorek, Lisa Solomon, Lea Völzer; Alt: Sophia Bockholt, Veltin Schröter, Katharina Berndt; Tenor: Christian Bratschke, Carl Hammann, Gerrit Guba; Bass: Max Börner, Carsten Krüger, Johannes Liedbergius.

Bereits am kommenden Samstag, dem 6. Dezember 2025 um 18 Uhr kann man ein weiteres Konzert in der St. Martini Lesum Kirche erleben, im Rahmen eines musikalischen Gottesdienstes. Ich werde es nicht versäumen, erst recht nicht nach dem gestrigen Erlebnis.
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