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Bitte einen Preis verleihen!

  • Autorenbild: Guenter G. Rodewald
    Guenter G. Rodewald
  • 8. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

8. Juli 2026 · Diesen Wunsch, nein, diese Forderung möchte ich hiermit anlässlich einer Neuerscheinung erheben, einen doppelten sogar, einen für die Herausgeberin derselben, wie deren Verlag. Beide haben sich seit Jahren der Wiederbelebung des Werkes eines Künstlers, Grafikers, Illustratoren verschrieben, den wir alle, wirklich alle kennen, nämlich und vor allem als Illustrator der Kinderromane von Erich Kästner, den in 1890 in Prag geborenen und in Kanada 1951 gestorbenen Walter Trier. Nur mit dieser Einengung von Triers Werk wird man dem Künstler in keiner Weise gerecht.


»Stolz«
»Stolz«

Abgesehen von den unzähligen Arbeiten, die er als Grafiker und Karikaturist hinterlassen hat, schon bereits 1909, also als sehr junger Künstler, publizierte er seine erste Zeichnung im Münchner »Simplicissimus«, Titel »Stolz«. Von da an war er unermüdlich tätig, bis bereits am 16. Mai 1933 das »Börsenblatt des deutschen Buchhandels« die erste offizielle schwarze Liste für die bildenden Künste und aller verbotenen Autoren und Verlage, auf der sich der Name Walter Triers befand, veröffentlicht hatte. Schon immer hatte Trier eine spitze politische Feder und natürlich lefzten die NS-Kulturfunktionäre danach, sie ihm sofort aus der Hand zu schlagen, nachdem sie ein paar Wochen die Machtergreifung. Ihr Hass auf Trier war umso größer, weil Trier aus einer jüdischen Prager Familie stammte. 1935 wurden alle Bücher mit »Beteiligung des Juden Walter Trier» verboten. (Siehe Link)


Im Dezember 1936 gelang es Trier mit seiner Familie, Berlin zu verlassen, kurz bevor er von der Gestapo verhaftet worden wäre. Sie gelangen in den kleinen Ort Bièvres, südwestlich von Paris. Dort lebt und arbeitet sein Freund, der Maler Lucien Adrion (1889 - 1953). Nach kurzer Zeit können sie aber nach London übersetzen, wo Trier seit dem Juli 1937 die monatlichen Cover des »Lilliput. The Pocket Magazine For Everyone« gestaltet


Ein Denkmal gegen das Vergessen


Dass sein Schaffen weit über „Emil und die Detektive“ hinausreichte, zeigt nun der eindrucksvolle Bildband »Walter Trier · Das politische Werk«. Erschienen im Berliner Verlag Favoritenpresse, rückt das Buch Triers scharfzüngige und hellsichtige Karikaturen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Fokus.


Leporello von Walter Trier · Lesson 17
Leporello von Walter Trier · Lesson 17

Hinter diesem Projekt steht das Walter Trier Archiv in Konstanz. Es war die Konstanzer Kunsthistorikerin Dr. Antje M. Warthorst, die 1998 an den Staatlichen Museen zu Berlin auf das fast vergessene Werk Triers stieß und 2007 das Archiv gründete, um sein Erbe systematisch zu erforschen und zu bewahren. Mit einschlägigem Erfolg: Die Institution gilt heute als internationale Anlaufstelle für Museen und Verlage.


Der jetzt neue Band vereint gute rund 170 politische Zeichnungen, viele davon, die man noch nie gesehen hat. Er dokumentiert Triers Aufstieg in der Weimarer Republik, seine Flucht vor den Nationalsozialisten, die ihn vergessen machen wollten, sowie seinen unermüdlichen satirischen Kampf aus dem Exil. Antje M. Warthorst und ihr Team - das sind (in alphabetischer Reihenfolge:) Sebastian Eckert, Iris Haist, Hans Reimann, Ulrich Schnakenberg, Heike Stange, Christoph Studt und Michael Vollert - analysieren die Werke zeitgeschichtlich und inhaltlich und entreißen damit den Künstler der Vergessenheit. (Siehe das Inhaltsverzeichnis: Link)


Dieses Buch ist nicht nur ein visuell brillanter Bildband, sondern ein Meilenstein der kunsthistorischen Aufarbeitung, der Triers politischem Scharfsinn ein längst überfälliges Denkmal setzt. Absolut lesenswert


Trier und Kästner - ein Traumpaar


Man irrt nicht zu behaupten, dass der große, weltweite und immer noch aktuelle Ruhm gerade der Kinderromane von Erich Kästner zu einem sehr großen Teil den sich ins allgemeine kulturelle Gedächtnis eingebrannten Zeichnungen von Walter Trier geschuldet sind. Wer identifiziert jenes knallgelbe posterhaft gestaltete Cover nicht sofort als das von »Emil und die Detektive« , auf dem Emil Tischbein und Gustav mit der Hupe den mysteriösen Herrn Grundeis verfolgen und sich vor ihm hinter der schneeweißen Litfaßsäule verstecken? Diese allererste Zusammenarbeit der beiden erstreckte sich über lange Jahrzehnte, über Kästners erste Publikation nach dem Ende des 2. Weltkrieges 1946 im Schweizer Europa Verlags auf Anregung von Jella Lepman (Link) von »Die Konferenz der Tiere«. Bis hin zum allerletzten gemeinsamen Projekt, dem in Triers Todesjahr 1951 im Atrium Verlag, Zürich erschienenen »Des Freiherrn von Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer zu Wasser und zu Lande«. Insgesamt sind es 19 Projekte geworden...



Präsentation am richtigen Ort


Passender kann man in Berlin kaum einen Raum aussuchen, um dort »Walter Trier · Das politische Werk« zu präsentieren, nämlich im John-Heartfield-Haus (Link) in Waldsieversdorf, und zwar am Samstag, den 11. Juli um 15 Uhr. Walter Trier und John Heartfield kannten sich gut. Beide gehörten zu den bedeutendsten Grafikern, Karikaturisten und Illustratoren der Kaiserzeit und der Weimarer Republik und beide mussten vor dem Nationalsozialismus ins Exil fliehen, beide nach London. Zwischen 1938 und 1950 bewegten sich beide in denselben Kreisen exilierter Künstler und Karikaturisten. Beide arbeiteten beispielsweise auch unter anderen für den »Lilliput«. Sie teilten den Kampf gegen das NS-Regime durch ihre satirische Arbeiten und Aktivitäten.


Antje M. Warthorst wird in ihrer Präsensation schildern, was Walter Trier in den Jahren der Weimarer Republik in Berlin und danach im englischen Exil  mit John Heartfield verbunden hat. Als musikalische Begleitung ist Annika von Trier angekündigt, alles unter dem Motto »Spitze Zunge trifft spìtze Feder«. Hätte Trier sicher gefalllen. Nebenbei: Annika von Trier ist nicht verwandt mit Walter T.!


Ich wäre gerne dabei, aber vielleicht wird der Abend ja in einem YouTube-Video aufgezeichnet!? Sollte doch möglich sein.

Weblinks:

  • Walter-Trier-Archiv: Link

  • Favoritenpresse: Link


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