Blick zurück im Frieden
- Guenter G. Rodewald

- vor 1 Tag
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Aktualisiert: vor 13 Stunden

16. Januar 2026 · Ein unter Umständen für mich persönlich überlebensnotwendiger Glücksfall waren für mich die Jahre der zweiten Hälfte der 70-er Jahre, in denen ich endlich zu meiner wahren Natur, zu meiner nicht mehr zu verheimlichenden Identität finden konnte. Bis dahin fehlte mir der Mut, mich zu dem Mann/Jungen zu bekunden, zu outen (warum gönnen wir diesem schönen und Freiheit schenkendem Wort nicht eine deutsche Schreibweise; der Duden wehrt sich noch, ich werde es mal auf meine eigene Kappe versuchen, also:) zu auten. Das wurde nur möglich, weil mich mein politischer Instinkt, der durchaus in mir funktionierte, in die richtigen Arme laufen ließ, zu den Menschen, die sich zusammengefunden hatten, um sich gegen die Atomindustrie zu verbünden. Und in deren Folge ich auf andere Menschen stieß, die sich ebenfalls wehrten, ausriefen und auslebten, was und wer sie sind, nämlich homosexuell oder wie wir – damals noch provozierend - uns nannten: schwul. Bis dahin ein übles Schimpfwort, durch die Befreiungsbewegung zu einem zierenden, krönenden Wort „geadelt“.
Ein Vorschlag
Ein Verleger und guter Freund aus jener Zeit erzählte mir im vergangenem Jahr, dass er an einem Projekt einer Dokumentation über die Entstehung, Entwicklung, die Geschichte der Anti-Atomkraftbewegung der 70-er und 80-erJahre arbeite, mit einem gewissen Fokus auf die Entwicklung der Bewegung aus Bremer Sicht, und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, aufzuschreiben, wie es mir in dieser Bewegung „ergangen“ sei. Er wusste, dass ich in der Bewegung aktiv in der Bremer Bürgerinitiative gegen Atomanlagen · BBA beteiligt war, konkret in dessen Ermittlungsausschuss.
Ein Ermittlungsausschuss (EA) in der Anti-Atomkraft-Bewegung war eine selbstorganisierte Struktur zur Rechtshilfe und zum Schutz vor staatlicher Repression. Seine Hauptaufgaben umfassten die Unterstützung bei Demonstrationen: Aktivisten konnten sich beim EA melden, wenn sie festgenommen wurden oder Zeugen von Übergriffen durch die Polizei wurden. Während großer Protestationen (etwa in Brokdorf, Gorleben, Grohnde oder Kalkar) hielten EAs Kontakt zu Anwälten und informierten Angehörigen oder Bezugsgruppen über den Verbleib von Inhaftierten. Oder er sammelte Berichte über Polizeigewalt und rechtliche Verstöße, um diese für spätere Gerichtsverfahren oder die Öffentlichkeitsarbeit aufzubereiten.
Vorschlag angenommen
Ich stimmte der Idee am Ende gerne zu, und so schrieb ich über meine diese Zeit, durchaus mit gewissen vergnüglichen Erinnerungen, und die eine Rückbetrachtung wurde – wie denn auch nicht, sie konnte gar nicht anders ausfallen – ein sehr persönlicher, bis intimer Report.
Es wird leider noch dauern, bis die Publikation des erwähnten Verlegers im seinem Sinne das Licht der Buchläden und generell der Öffentlichkeit erblicken wird können. Ich bekam aber von meinem Auftraggeber grünes Licht und sein Einverständnis, den Text hier - von ihm noch nicht lektoriert oder ediert - auf meinem Blog zu veröffentlichen.
Schön, dass es Interesse zu geben scheint
Ich drücke K.M. (so »heißt« jener Verleger) die Daumen, dass aus seinem Projekt etwas wird. Zu einem anderen in jene Zeit reichenden Thema habe ich gerade eine überraschende Erfahrung gemacht: Studenten aus Erlangen, Leipzig, Berlin und Bremen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts hatten mich auf eine andere meiner Aktivitäten in jenen 70-er Jahren angesprochen, also Ereignissen, die immerhin vor gut 50 Jahren stattgefunden haben und die sie auf meinem Blog beschrieben fanden, nämlich die eine meiner kriminellen Handlungen, dem Raubdrucken (siehe hier: Link). Sie haben mich per Telefon aus Berlin und Leipzig dazu interviewt und kürzlich auch hier in den Bremen live in der Hochschule für Künste Bremen · HfK Bremen. Das Projekt aus Bremer Sicht: Link.
Nun - hier aber der Artikel über mein Leben als Anti-AKW-Aktivist: voilá!
Wenn Du willst, kannst Du mir gerne Deinen Kommentar schicken, und zwar an diese Mail-Adresse: blog.guenny@mercadodelibros.info











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