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Zu Besuch: Die Overbecks

  • Autorenbild: Guenter G. Rodewald
    Guenter G. Rodewald
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

25. Januar 2026 – Wenn Vegesack das Overbeck-Museum nicht hätte, um wie viel ärmer wäre es um das kulturelle Leben Bremen-Nords bestellt. 1990 gegründet mit seinen Ausstellungsräumen im Gebäude des Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Alten Packhauses im historischen Hafenviertel ist es das einzige Museum Bremens, das sich exklusiv einem der Gründungsväter der Künstlerkolonie Worpswede widmet, nämlich dem Maler Fritz Overbeck (1869–1909), sowie seiner Frau, der Malerin Hermine Overbeck-Rohte (1869–1937).


Beide Künstler haben einen sehr persönlichen Bezug zu Vegesack, denn 1905 zogen die beiden mit ihren Kindern Fritz Theodor und Gerda von Worpswede, wo das Paar 1898 geheiratet hatte, hierher in das Landhaus ‚Sechslinden‘, an der Schönbecker Aue gelegen, nur 20 Fußminuten vom Museum entfernt. Die Schaffung des Overbeck-Museums verdankt die Stadt vor allem der Enkelin der beiden Künstler Gertrud Overbeck (1933-2019), die das Museum auch bis 2007 leitete.



Briefe auf 824 Seiten


Sehr viel über das Leben von Hermine und Fritz weiß und erfährt man durch den über den 300 Briefe umfassenden Briefwechsel der beiden, der von ihrem Kennenlernen – sie als seine Schülerin in Worpswede - bis zu seinem frühen Tod mit nur 39 Jahren 1909. Das imposante Konvolut von 824 Seiten erschien 2020 in der DCV – Dr. Cantz'schen Verlagsgesellschaft und ist von Katja Pourshirazi herausgegeben wurde, seit 2011 Direktorin des Overbeck-Museums.


Die Werke beider Overbecks bilden naturgemäß das Zentrum des Museums, aber parallel laufen immer Einzelausstellungen zeitgenössischer Künstler oder Künstlergruppen, aber immer wieder auch mit Expositionen, die Bezug auf Hermine und Fritz Overbecks Wirken haben, zurzeit Du traust mir nicht genug Talent zu! - Hermine Overbeck-Rohte in ihrer Zeit. (noch bis zum 8.März 2026).


Dazu fällt den Machern des Overbeck-Museums immer etwas Neues ein: am gestrigen Samstag feierten sie einfach mal den 157. Geburtstag von Hermine Overbeck-Rothe. Darauf muss man erst einmal kommen! (Siehe Bericht von Jana Barkei in DIE NORDDEUTSCHE unten in den Downloads!)


Und im weiteren Rahmen dieser monographischen Schau veranstaltete das Museum heute am Sonntagnachmittag auf der Bühne des KITO, der Kleinkunstbühne im Dachstuhl desselben Gebäudes des Museums eine Lesung aus dem Briefwechsel der Overbecks, vorgetragen von Helle Rothe und Martin Mader, zwei der langjährigen Stützen des Statt-Theaters Vegesacks.


Die Lesung


Eröffnet wurde die Lesung passenderweise von Katja Pourshirazi selbst, die Auswahl der Briefe war dramaturgisch sehr gekonnt und packend zusammengestellt. Spannend, unterhaltsam, von amüsant, aber auch ernsthaft, eine gewiss für die Zeit ungewöhnliche Liebes- und Ehebeziehung. Hermines Erkrankung und die langen und immer wieder neuen monatelangen Liegekuren in den Lungenheilstätten von Oberkaufungen in Hessen oder Davos in der Schweiz spielen eine immer wiederkehrende Rolle.


Und wenn man es nicht wusste oder es einem nicht mehr präsent war, plötzlich die allerletzte Korrespondenz der beiden, das abrupte Ende durch den plötzlichen Tod von Fritz, ausgelöst durch einen Hirnschlag, nur drei Tage, nachdem Hermine aus ihrem letzten Klinikaufenthalt nach Vegesack zurückgekehrt war. Hermine überlebte ihren Mann um 39 Jahre.


Die Overbecks waren dabei


Beide Schauspieler lasen sich sehr einfühlsam durch die Briefe und Karten, die sich die beiden geschrieben hatten. Schön, dass Helle Rothe der Stimme Hermines nicht deren authentischen norddeutschen Tonfall geraubt hat, den sie ganz sicher gehabt haben muss, sie war im niedersächsischen Walsrode geboren und aufgewachsen, man hat sicher in ihrer Familie auch noch Plattdeutsch gesprochen.


Martin Mader verlieh Fritz eine hochdeutsche Stimme, er stammte aus einer bildungsbürgerlichen Familie, sein Vater verstarb sehr früh, ebenso wie seine drei Geschwister, so dass er am Ende allein bei seiner Mutter aufwuchs. Sein Abitur hatte er 1888 am Alten Gymnasium in der Dechanatstraße abgelegt. Von 1889 bis 1893 studierte er dann an der Düsseldorfer Kunstakademie.


So dicht gestaltete sich der Vortrag durch die beiden Vorleser, dass man den Eindruck haben konnte, die beiden Overbecks hätten sich fast leiblich unter die Besuchern der Lesung geschlichen, um ihren schönen Worten und Zeilen zuzuhören.

Weblinks:

  • Overbeck-Museum · Homepage: Link

  • 157. Geburtstag von Hermine Overbeck-Rothe: Link

  • Der Briefwechsel: Link

  • Statt-Theater Vegesack: Link

Wenn Du willst, kannst Du mir gerne Deinen Kommentar schicken, und zwar an diese Mail-Adresse: blog.guenny@mercadodelibros.info

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