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Vergessen bei der Buchmesse?

Autorenbild: Guenter G. Rodewald
Guenter G. Rodewald
7. Okt.
3 Min. Lesezeit
Walter Trier in seinem Atelier
Walter Trier in seinem Atelier

7. Oktober 2026 · Gestern Abend wurde in Frankfurt am Main die 78. Frankfurter Buchmesse eröffnet, ab heute läuft sie auf ihren bekannten nach wie vor hohen Touren, damit wird sich ab heute auch der diesjährige Ehrengast präsentieren: Tschechien: Ein Land an der Küste. Dabei wird sich eine große Zahl an tschechischen Autorinnen und Autoren, die zur Messe eingeladen sind, vorstellen, aber man wird auch an einige verstorbene Autoren aus diesem Land erinnern, unter ihnen Franz Kafka (*1883, Prag), Rainer Maria Rilke (*1875, Prag), Egon Erwin Kisch (*1885, Prag) oder Jaroslav Hašek (*1883, Prag).


Schade, dass in dieser Riege einer fehlt, der einer der ganz wichtigen Buchkünstler der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war und dessen Werke wohl die halbe Welt kennt, die Rede ist von dem Zeichner, Illustrator und Karikaturisten Walter Trier (*1890, Prag).


Diese Lücke fällt gerade unter dem Aspekt auf, dass Walter Triers Werk durch die engagierte Kunsthistorikern Antje M. Warthorst (*1965, Giengen an der Brenz) und ihren Verlag, der Berliner Favoritenpresse mit ihrem Verleger Bodo von Hodenberg, zu neuem Leben erweckt wurde, beziehungsweise wieder ganz neu ins Bewusstsein heutiger Leser und Leserinnen geholt wurde und weiter wird.


Ein politischer Buchkünstler


Gerade vor ein paar Wochen, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, ist bei der Favoritenpresse - mittlerweile vielfach belobigt - der aufwendig gestaltete Band »Walter Trier: Das politische Werk« erschienen, das eine bedeutende zeithistorische Lücke schließt und durch höchste editorische wie wissenschaftliche Qualität besticht. (>>> Link)


Es wird wohl so gut wie niemanden in der Welt geben, der oder die mit Büchern groß geworden ist, sich nicht an Triers unvergesslichen Illustrationen in »Emil und die Detektive« erinnern wird, die diesem weltberühmten Kinderroman (in mehr als 60 Sprachen übersetzt) seinen unverwechselbaren Charme in gleichem Umfang verliehen haben, wie es ihm die Worte von Erich Kästner gegeben haben. Man kalkuliert, dass die Geschichte um den zwölfjährigen Emil Tischbein allein in der deutschen Ausgabe von Erich Kästner in deutscher Sprache bis heute weit über 190 Auflagen erfahren hat, damit eine Gesamtauflage von über 2 Millionen verkauften Exemplaren erreicht.


Man würde Walter Triers Oeuvre in keiner Weise gerecht, ihn nur auf dieses eine Werk oder die anderen Kästner-Romane, die er illustrierte, zu beschränken. Sehr früh – ab 1909 - hat er bereits seine ersten Zeichnungen und Karikaturen im Simplicissimus und in der Jugend veröffentlicht. Von 1910 bis 1936 lebte und arbeitete er in Berlin, als Pressezeichner, Karikaturist, Bühnenbildner und eben als Buchillustrator.


Emigration


Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und politischen Haltung flieht Trier 1936 vor dem NS-Regime nach London. Während des Zweiten Weltkriegs zeichnet er antifaschistische Karikaturen und Flugblätter für das britische Informationsministerium, die von der Royal Air Force über Deutschland abgeworfen werden. Zudem gestaltet er fast monatlich die Cover für das Exil-Magazin Liliput.


Erich Kästner hat seinen Freund und den Meister, den er für die Zeichnungen vieler seiner Romane gefunden hatte, nur noch einmal 1938 in London besuchen können, bevor Hitler dann ein Jahr später begann, mit dem Versuch, ganz Europa mit seinem Krieg zu unterwerfen.



Erstausgabe 1949
Erstausgabe 1949

1947 wandert Trier zu seiner Tochter nach Toronto (Ontario/Kanada) aus. Er lebt dort als freischaffender Künstler und entwirft unter anderem Plakate und Werbegrafiken für die Canada Packers und verstirbt 1951 überraschend in seinem Atelier in Collingwood.


In letzter Zusammenarbeit mit Erich Kästner erscheint 1949 in zwei verschiedenen Ausgaben: bei Natur och kultur in Stockholm und im Schweizer Europa Verlag: »Die Konferenz der Tiere«. Auf ganz direkte Anregung von der Gründerin  der Internationalen Jugendbibliothek München · IJB in München Jella Lepman (>>>Link).



Weblinks:

  • Favoritenpresse: Link

  • Walter Trier Archiv: Link

  • Gastland Tschechien: Link

Wenn Du willst, kannst Du mir gerne Deinen Kommentar schicken, und zwar an diese Mail-Adresse: guenter.rodewald[at]mercadodelibros.info 

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